Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Ferrero hat diesen Monat ein zweites Überraschungsei auf den Markt gebracht, das explizit für Mädchen und „nur für Mädchen“ gedacht ist. Natürlich ist es rosa. Die Werbung, die Verpackung, die angekündigte Figurenserie. Was ich dazu zu sagen hätte, wurde schon geschrieben, deshalb spare ich mir das. Lest das mal hier: Kinderüberraschung in rosa? #Ichkaufdasnicht

Die TAZ hat auch einen Artikel dazu geschrieben: Sexismus bei Ü-Eiern: Ein Stück vom Lillifee-Zauberstab

Ich wollte mir das neue Überraschungsei trotzdem angucken. Ich habe eins gekauft und mit einem herkömmlichen Ei verglichen.

Links das Ei „nur für Mädchen“, rechts das herkömmliche. Die Mädchen-Verpackung ist gar nicht SO rosa, wie ich mir das aufgrund der Werbung vorgestellt hatte. Es ist „nur“ ein rosa Farbtupfer mit Blümchen, vermutlich, um nicht zu sehr vom normalen Design abzuweichen und den Wiedererkennungswert nicht zu verlieren. (Ja, das ist ein Eierdings aus dem Kühlschrank.)

Die Schokolade ist gleich geblieben. Zum Glück, die ist nämlich das Beste an beiden Ü-Eiern! Das hatte ich aber auch nicht anders erwartet.

Die innere Plastikverpackung ist auch gleich (gelb) geblieben. Das ist an sich natürlich zu begrüßen, nicht noch mehr rosa extra für Mädchen, aber bei der ganzen rosa Werbung und dem rosa auf der Folie frage ich mich doch, wo da die Konsequenz bleibt.

Hier noch mal ohne Schokolade. An der Stelle möchte ich anmerken, dass ich die alten Plastikverpackungen, die aus zwei Teilen bestanden und die man aufeinander stecken konnte, viel besser fand. :(

Auch geöffnet erkennt man keinen besonderen Unterschied. Das Mädchen-Ei immer noch links, das herkömmliche rechts.

Der Inhalt meines Ü-Eis „nur für Mädchen“: Eine auf süß getrimmte Babyrobbe mit übergroßen Augen, die man auf die Hand nehmen oder hinstellen und angucken kann. Juhu! Immerhin sind auf dem Zettel noch ein paar Fakten zu dem Tier, damit ich auch was lerne.

Der Inhalt meines herkömmlichen Ü-Eis: Ein Wurfdings, mit dem man draußen spielen kann, also zur Bewegung animiert wird. Ich habe es zwar nur in der Wohnung ausprobiert, aber: Huiii! Das Ganze in rosa, und auf dem Zettel ist sogar auch ein Mädchen abgebildet. Dabei ist das Ei doch gar nicht explizit für Mädchen gedacht! Sowas aber auch!

Mein persönliches Fazit lautet: Das neue Überraschungsei „nur für Mädchen“ ist unnötig und aus in den oben verlinkten Artikeln genannten Gründen abzulehnen. Die Schokolade schmeckt aber trotzdem gut.

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Ich habe mal gedacht, in meinem persönlichen Umfeld gäbe es keinen Rassismus. Fast jede_r in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis hat nette „ausländische“ Freunde, Arbeitskollegen, Klassenkameraden etc. Ich könnte ein Dutzend Geschichten von gelungenem Miteinander erzählen, von Frauen, die regelmäßig thailändische Kochkurse mit in die Dorfgemeinschaft gezogenen Thailänderinnen veranstalten, über meinen Bruder und seinen dunkelhäutigen Klassenkameraden mit Muttersprache Französisch, die miteinander ihre Deutsch- und Französischhausaufgaben machten, bis zu einer Frau über 60, deren Sohn in Thailand eine Familie gegründet hat und die nun thailändisch lernt, um sich bei Besuchen dort verständigen zu können.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Es gibt die offenbar tief verwurzelte Tendenz, auf der Herkunft ausländischer Mitmenschen herumzuhacken/ihre Herkunft verantwortlich zu machen, sobald diese etwas „Falsches“ oder als störend Empfundenes machen. Oft wird etwas auch schlimmer empfunden, gerade weil „ein Ausländer“ es gemacht hat. Seit mir das bewusst ist, fällt es mir jedes Mal auf. Aber nicht jedes Mal prangere ich es an, und das finde ich extrem scheiße von mir. So scheiße sogar, dass ich diesen Blogeintrag schreibe, um von drei relativ aktuellen Vorfällen zu erzählen, die ich bereue, bei denen ich Rassismus/rassistische Tendenzen erkannt, aber nicht angeprangert habe.

In unserer Wohngegend ist die Parksituation sehr schlecht. Die Straßen sind eng und es gibt nur wenige öffentliche Parkplätze, aber man arrangiert sich irgendwie. Es kam schon einige Male vor, dass Menschen (zufälligerweise „Ausländer“, die da nun mal wohnen) zu dicht an meiner Garage geparkt hatten. Das war nervig, aber nach einem netten Hinweis darauf ist es nicht mehr vorgekommen. Trotzdem erzählt mir eine ältere Nachbarin noch regelmäßig, dass „die Ausländer“ da immer so vor meiner Garage parkten, wie scheiße das denn wäre und ob mich das denn nicht störe. Ja, sie, die nicht betroffen ist, stört sich mehr daran als ich. Auch stört sie sich daran, dass die eine Familie im Sommer oft grillt. Einmal habe ich gesehen, wie sie mit dem Fahrrad vorbeigefahren ist und schon von weitem „Bäh, bäh, das stinkt!“ gerufen hat. Sie sucht eine Verbündete in mir. Ich stimme ihr nie zu, aber das reicht nicht. Ich sollte sie zurechtweisen.

Mein zehnjähriger Bruder, der gleiche, den ich im ersten Absatz lobend erwähnt habe, hat vor kurzem irgendwelche Leute, die am Haus vorbeikamen, uns gegenüber als „scheiß Russen“ bezeichnet. Unser Vater meinte dazu nur, dass er die das bloß nicht hören lassen solle. Wäre ich mit meinem Bruder allein gewesen, ich hätte ihm einen Vortrag gehalten. Aber vor meinem Vater hatte ich Hemmungen und habe nichts gesagt. Das dürfte nicht sein. Ich sollte bei sowas auch vor meinem Vater keinen Halt machen.

Ein Bekannter hatte am Wochenende im Suff einen Streit mit einem anderen („ausländischen“) Mann. Keine Ahnung, was der Anlass war, vermutlich irgendeine Nichtigkeit. Im Verlauf des Streits hat mein Bekannter den Anderen einen „Dreckstürken“ genannt. Ich stand direkt daneben und habe nichts gesagt. Genau wie ein Dutzend andere Menschen in Hörweite auch. Weil ich wieder die Einzige gewesen wäre, die das „so eng“ sieht und er mir am Ende noch eine dumme Diskussion darüber auf’s Auge gedrückt hätte. Aber davon dürfte ich mich nicht abschrecken lassen. Jemand muss etwas sagen, und wenn keiner was sagt, muss ich es tun.

Ich will die Menschen in meinem Umfeld spüren lassen, dass ich Rassismus und rassistische Äußerungen nicht dulde, und ich wünschte, mehr andere Menschen würden das auch tun.

Ich hatte hier vor einiger Zeit schon mal auf ein Kinder-T-Shirt von s.Oliver hingewiesen, das es eigentlich nicht geben sollte, und mich auch direkt bei s.Oliver darüber beschwert.

Vor kurzem habe ich dann dieses Shirt gesehen, ebenfalls von s.Oliver, das auch nicht besser ist:

„Ich kann nichts dafür: Mädchen sind so!“ Ah ja… eher nicht. Es ist wohl noch nicht zu s.Oliver durchgedrungen, dass wir nicht als „Mädchen“ und „Jungen“ geboren, sondern dazu erzogen werden.

Ich habe mich bei s.Oliver beschwert und ihr dürft das gern auch tun: s.Oliver Kontaktformular

Ich will mich gar nicht auf s.Oliver einschießen, aber wenn ich zufällig über so ein Shirt stolpere, kann ich es nicht einfach ignorieren, denn, wie Sheldon sagen würde: How else are they going to learn?

Gleich vorneweg, um die Überschrift zu relativieren: Dieses Etwas, das mich an Homosexuellen nervt, ist eine Verhaltensweise. Diese Verhaltensweise wird zwar nicht von allen Homosexuellen und auch nicht ausschließlich von Homosexuellen an den Tag gelegt, und sie nervt mich auch nicht nur bei Homosexuellen, sondern bei allen, die sie an den Tag legen. Ich möchte aber an einem konkreten Beispiel zeigen, was mich nervt, und das ist ein Text, der von einem Homosexuellen geschrieben wurde.

Es nervt mich, wenn man ständig auf seiner sexuellen Orientierung herumhackt und sich darüber definiert.

Jonathan Petrychyns Text Glee: not as queer-friendly as it pretends to be ist ein Beispiel für das, was ich meine.

Jonathan schreibt:

I fucking hate Glee.

“But Jon,” I hear you say, “You can’t hate Glee. You’re gay. Don’t you just think Kurt and Blaine make the cutest couple and are the best role models for young gay kids?”

No, no I do not, fictional straw person. I think Glee, just like Modern Family, just like Degrassi, makes a spectacle out of their gay characters, sanitizing them into easily digestible, safe, harmless and often delightful characters that any straight man or woman can love.

“But Jon,” I hear you say again, “Isn’t that a good thing? Don’t you want gays to be accepted?”

Yes, you’re right. I do want gays to be accepted. But you aren’t doing queer kids any favours by showing them that they only way they can exist is to exist like everyone else.

Ich schaue Glee nicht, deshalb kann und will ich zu der Serie inhatlich eigentlich nichts sagen. Ich habe mir aber sagen lassen, dass es keinerlei Anzeichen dafür gibt, dass Kurt und Blaine nicht akzeptiert worden wären, wenn sie anders gewesen wären. Es hätte mich auch gewundert, wenn es solche Anzeichen gegeben hätte. Von showing them that the only way they can exist is to exist like everyone else kann also offenbar nicht die Rede sein. Zumindest nicht explizit. Aber wie gesagt, ich kann das nicht selbst beurteilen.

Lesen wir weiter:

I hate to break it to you, but everyone else (that means you if you’re straight, probably you if you’re gay and want to get married) has been participating in a system that has, since the Victorian era, been oppressing and marginalizing queer folk. Telling me that I’m allowed into this oppressive group doesn’t make me feel better, because I’m only allowed into the group if I conform to what you, the heterosexual community, deem acceptable as “queer.”

Es stimmt, dass Homosexuelle – er nennt es queer folk, ich bin nicht sicher, wen er da alles einschließt – in vielen, wahrscheinlich in den meisten Kulturen lange Zeit unterdrückt wurden oder sogar heute noch unterdrückt werden. Aber kann man die ganze Welt als eine unterdrückende heterosexuelle Gruppe ansehen, die bestimmt, wie Homosexuelle zu sein haben, damit sie von der Gruppe akzeptiert werden? Der Meinung bin ich nicht. Ich würde eher von verschiedenen Umfeldern sprechen, die mehr oder weniger tolerant oder konservativ oder was auch immer sind.

Now, I’ll confess I gave up on Glee about three or four episodes into Season 3. The only thing that kept me going was Kurt’s story arc, which was the most compelling of the entire series. I bawled when Kurt’s dad married Finn’s mom. I was emotionally invested in the show, just like everyone else was.

And then I realized: I shouldn’t be invested in the show just like everyone else. I’m not just like everyone else. I’m a queer man. I am different. And Kurt, like me, shouldn’t want what everyone else wants. He’s different. And we need to recognize this difference and not cheer him on when he enters into a relationship that is basically just Rachel and Finn’s, but with two guys.

[…]

What we’re telling Kurt, and other queer males (don’t even get me started on the queer girls; Santana is a complex phenomenon in Glee that would warrant a whole other column) is that if you want acceptance, you have to be just like every other heterosexual couple out there. You have to want a monogamous relationship, with a well-paying job, a couple kids, a dog and a white picket fence.

Sounds awfully conservative, doesn’t it?

That’s because it is.

[…]

Glee isn’t nearly as progressive as we want to think it is, because its idea of “acceptance” is telling Kurt and Blaine and other gay males that you’ll be accepted if you want the same things your straight counterparts wants. Instead, I think it needs to work something like this: we need to recognize the difference that is queerness. Queer folk are not like heterosexual folk. We need to recognize this. Denying us the ability to define ourselves, by telling us that we’re just like you, denies us the opportunity to truly define who we are.

Unfortunately, the queer community has bought into this line. We push the “we’re just like everyone else” line so often, when, in fact, we’re not like everyone else at all. We shouldn’t want to be part of the system that has single-handedly oppressed us.

Jonathan grenzt hier ganz stark Homosexuelle und Heterosexuelle voneinander ab. Homosexuelle seien anders als Heterosexuelle und sollten daher nicht das Gleiche wollen wie Heterosexuelle. Was genau der Unterschied zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen sein soll, schreibt er jedoch nicht. Lasst mich es euch daher sagen: Homosexuelle möchten gleichgeschlechtliche Partner, während Heterosexuelle andersgeschlechtliche Partner möchten. Das war’s. Das ist alles. Alles andere – monogame Beziehung, Kinderwunsch, weißer Gartenzaun – sind persönliche Vorstellungen und Wünsche, die nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun haben.

Jonathan wirft den Heterosexuellen vor, ihm und allen anderen Homosexuellen die Möglichkeit zu verweigern, sich selbst zu definieren. Gleichzeitig verweigert er Homosexuellen, bestimmte Wünsche zu haben. Natürlich darf man niemandem das Gefühl geben, dass er gefälligst eine monogame Beziehung und Kinder und einen weißen Gartenzaun zu wollen habe, damit er akzeptiert wird. Guess what, es gibt auch Heterosexuelle, die das nicht wollen. Man darf aber auch niemandem das Gefühl geben, dass er nicht akzeptiert wird, wenn er genau das will. So unterdrückend die Heterosexuellen Joanathans Meinung nach sind, so unterdrückend ist er selbst, nur umgekehrt. Wie die Heterosexuellen seiner Meinung nach Homosexuelle unterdrücken, die „zu homo“ sind, unterdrückt er Homosexuelle, die „zu hetero“ sind. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

How do we get out of that system? The first step would be to speak out against Glee, and stop deifying it as this bastion of acceptance and progressive values. Let’s be queer. Let’s take the opportunity to look at these heterosexual institutions and rework them so they work for everyone, and not just those who fit the mold.

You never know; it just might create the post-sexuality world we want.

Nein, wird es nicht. Ein Verhalten, das ein Augenmerk auf die vermeintliche unüberbrückbare Unterschiedlichkeit von Homosexuellen und Heterosexuellen legt, kann gar nicht zu einer post-sexuality Welt führen. Das Einzige, was zu so einer Welt führen kann, ist, dass wir die sexuelle Orientierung nicht mehr so wichtig nehmen, sondern sie endlich als das ansehen, was sie ist: Ein Teil von uns, der unsere Partnerwahl beeinflusst, uns aber nicht definiert.

I hate to break it to you, but you’re not that special after all.

Vielleicht habt ihr die aktuelle Axe-Werbung schon gesehen. Falls nicht, sei kurz erklärt: Es gibt einen Spot, den man sich bei Interesse auch auf Youtube ansehen kann und Plakate mit Sprüchen à la „Prüf sie mündlich“, „Such dir ne Stellung als Missionar“, „Egal was sie trinken will – besorg’s ihr“ und ähnliche. Dass Axe damit wirbt, dass ihre Produkte eine anziehende Wirkung auf Frauen hätten, ist ja bekannt. Dennoch stößt die aktuelle Kampagne nicht nur mir besonders sauer auf. Ich wollte schon länger darüber schreiben, aber ich konnte einfach nicht in Worte fassen, WIE dumm ich die Werbung finde.

Annika Hüttmann konnte das glücklicherweise:

Die Plakate und der Spot haben alle die Gemeinsamkeit, dass der Mann eine aktive Position einnimmt, während Frauen lediglich passive Objekte sind, die der sexuellen Befriedigung des Mannes zu dienen haben. Um sich eine Frau zu „nehmen“ muss mann nichts weiter tun als sich mit einem Deo einzusprühen – schon gehorcht die Frau nicht mehr ihrem eigenen Willen, sondern einem Instinkt, sich der besprühten Person zur Verfügung zu stellen. Toll! Axe ist also die legale Variante von K.-o.-Tropfen! Viel näher kann mensch einer Aufforderung zur Vergewaltigung nicht mehr kommen.

Mit „Nimm nur gut Gebautes“ lässt Axe dann noch etwas Lookismus in die Kampagne einfließen. Eine Frau – beziehungsweise das Objekt, das „gut Gebaute“ hat natürlich gewisse Schönheitsideale zu erfüllen um der Aufmerksamkeit des Mannes würdig zu sein. Hier wird besonders deutlich, dass es in der Welt der Deo-Marke unvorstellbar ist, eine weibliche Person könne mehr als ein schönes Spielzeug für den Mann sein.

Die überspitzte Form des männlichen Stereotyps vom sexhungrigen, mächtigen Jäger, die das angebliche Augenzwinkern der Kampagne ausmacht, reproduziert, legitimiert und normalisiert Sexismus. Denn auch wenn sich wohl kaum jemand aufgefordert sehen wird, die Sprüche der Plakate exakt umzusetzen, wird dem heterosexuellen, weißen Mann bestätigt, dass ihm die Welt gehört und vorgeschrieben, wie ein “ richtiger“ Mann zu denken hat. Durch das Weltuntergangsszenario deutet Axe an, dass er sich unter „normalen“ Umständen nicht so verhalten kann, wie er eigentlich möchte. Diese Werbung sollte also nicht nur bei Frauen Übelkeit auslösen, sondern auch bei allen männlichen Personen, die ihren Lebensinhalt nicht auf die Suche nach Sex reduziert sehen wollen.

Den ganzen Artikel gibt es bei aviva-berlin.de.

Gestern war also Weltfrauentag. Dass es bei dem Tag um Gleichberechtigung bzw. die Stärkung der Rechte von Frauen (jenachdem, wofür man eintritt) und auch den Weltfrieden geht – offiziell heißt der Tag „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ – scheint an einigen Leuten jedoch vorbeigegangen zu sein. Anders ist nicht zu erklären, warum Menschen auf Twitter unter dem Hashtag #weltfrauentag „einen schönen Weltfrauentag“ wünschten oder Frauen wohlwollend davon berichteten, dass sie Blumen geschenkt bekamen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass diese Leute den Weltfrauentag für eine Art Muttertag halten, ausgeweitet auf alle Frauen.

Um mal ein Beispiel zu nennen:

Klasse! Das ist genau das, worum es bei dem Tag geht, mein Lieber! Nicht!

Ein anderes Beispiel ist der „Sekthersteller“, der gestern in Köln Rosen an Frauen verteilt hat. Dass das nett gemeint war, will ich gar nicht absprechen. Aber es ist in gewisser Hinsicht auch beleidigend. Rosen kann man meinetwegen am Muttertag und am Valentinstag verteilen, aber nicht an einem Tag, der der Gleichberechtigung bzw. den Rechten der Frau gewidmet ist. („Wir wollen Gleichberechtigung!“ – „LOL NOPE. Hier, haste ’ne Rose.“)

Die Kommentare auf der Seite zeigen auch ganz deutlich, dass viele den Tag offensichtlich nicht verstanden haben.

Es gibt übrigens auch einen internationalen Männertag. Das führt mich zu der folgenden Überlegung: Wenn es sowohl einen Frauen- als auch einen Männertag gibt, an denen jeweils die Stärkung der Rechte der Frau bzw. des Mannes bzw. Gleichberechtigung gefordert wird, sie also im Grunde genommen das Gleiche fordern, warum dann nicht die beiden Tage zu einem Gleichberechtigungstag zusammenlegen? Das wäre effizienter, könnte nicht mehr für einen Muttertag 2.0 gehalten werden und würde gleichzeitig Menschen miteinschließen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen können oder wollen.

Umschnallvagina? Klingt wie Umschnallpenis. Hey, hat das was damit zu tun?“ Ganz genau. Ich möchte aber gleich anmerken, dass das kein Artikel über Sexspielzeug ist. Vielmehr geht es um ein Produkt, das dafür gemacht ist, dass sich Penisträger*, die sich eine Vagina wünschen, in ihrem Körper wohler fühlen können.

Ich hatte vor kurzem ein Gespräch, in dem es darum ging, dass Vaginaträger einige Möglichkeiten haben, einen Penis zu „simulieren“ (verzeiht die saloppe Wortwahl), wenn sie das möchten. Penisträger können sich nicht einfach eine Vagina „umschnallen“. Dachten wir zumindest, bevor wir gegooglet haben.

Tatsächlich gibt es für Penisträger eine Möglichkeit, sich eine Vagina „umzuschnallen“, und zwar die „Vaginaprothese“ von Ladylady. Der große Vorteil dieser Vaginaprothese (ich habe noch andere gefunden, die mich weniger überzeugt haben) ist, dass sie penetrationsfähig ist. Wie das genau funktioniert, ist schlecht anschaulich zu beschreiben. Guckt euch einfach die Bilder auf der Homepage an: Vagimitation

Ich habe angefragt, was eine Vaginaprothese kostet. Da der Preis auf der Homepage nicht steht, veröffentliche ich ihn hier auch nicht. Nur so viel: Ganz billig ist sie natürlich nicht, aber durchaus noch erschwinglich.

Das soll keine billige Werbung sein. Es geht mir mehr darum, bekannt zu machen, dass es solche Produkte gibt. Ich halte das für nötig. Umschnalldildos dürfte heutzutage fast jeder kennen, aber eine Umschnallvagina war selbst mir vorher noch nie begegnet – und ich halte mich in solchen Dingen eigentlich für aufgeklärt. Die Leute, denen ich davon erzählt habe, zeigten sich auch eher überrascht bis irritiert.

Die Umschnallvagina ist allerdings nicht direkt das Pendant zum Umschnalldildo. Ein Umschnalldildo ist „nur“ ein Sexspielzeug. Eine Umschnallvagina kann auch im Alltag dazu beitragen, sich weiblicher zu fühlen und weiblicher auszusehen. Sie ist quasi das Pendant zu Umschnalldildo und Packer** zusammen.

Hier noch die Produkte, die mich nicht überzeugt haben:

Pack-A-Pussy

V-String

Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es kann durchaus sein, dass es noch mehr derartige Produkte gibt, ich habe jedoch nicht mehr weiter gesucht.


* Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, diesen Artikel ausnahmsweise zu gendern, aber „Penisträger und Penisträgerinnen“ und „Vaginaträger und Vaginaträgerinnen“ war mir dann doch zu albern. Mit der männlichen Form sind selbstverständlich Menschen jeglichen Geschlechts gemeint.

** Ein Packer ist etwas, das Vaginaträger in der Unterhose tragen können, um eine Beule in der Hose zu formen und sich männlicher zu fühlen.