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Kramschublade

Ich habe mir diesen Monat – nachdem ich jahrelang nur einen Laptop benutzt habe – einen neuen Rechner gekauft. Den Monitor dazu habe ich separat davon am 2.10. bei Surffact.de bestellt und auch sofort bezahlt. Ganz einfach deshalb, weil die das günstigste Angebot hatten. Am 4.10. wurde mein Paket mit GLS verschickt. Am 8.10. erhielt ich eine Email von einer Frau M. von Surffact.de, mit dem Inhalt, dass GLS angegeben habe, meine Adresse wäre falsch und ich würde gebeten, meine Telefonnummer anzugeben. Meine angegebene Adresse war natürlich nicht falsch; ich bestelle schließlich nicht etwas, das ich zeitnah erhalten möchte, und gebe dann meine Adresse falsch ein. Ich schrieb Frau M. das und gab auch meine Telefonnummer an. Am 9.10. schrieb mir Frau M., sie habe die Informationen an GLS weitergegeben und um schnellstmögliche Zustellung gebeten. Daraufhin hielt ich das Problem für aus der Welt geschafft und wartete weiter auf das Paket. Es kam und kam nicht an. Am 12.10. habe ich dann doch mal die Sendungsverfolgung aufgerufen, um nachzuschauen, was da los ist. Normalerweise mache ich das nicht, weil es mich nicht interessiert, wann meine Pakete in welchem Depot gescannt werden, solange sie pünktlich ankommen. Aber in diesem Fall hätte ich lieber früher nachschauen sollen. Aus der Sendungsverfolgung ging nämlich hervor, dass mein Paket schon seit dem 5.10. in einem Depot ca. 25 km entfernt von mir eingelagert gewesen war, auch dann noch, als ich schon längst Frau M. bestätigt hatte, dass meine Adresse stimmt. Angerufen hat mich GLS natürlich auch nicht. Am 12.10. war das Paket zurück zum Absender geschickt worden. Ich schrieb Frau M. daraufhin eine Email, in der ich mich über GLS beschwerte und sie bat, mir das Paket mit einem anderen Lieferunternehmen zu schicken. Da es Freitagabend war, erwartete ich vor Montag keine Antwort. Heute ist Montag. Von Frau M. habe ich keine Antwort erhalten. Stattdessen schrieb mir eine Frau P. von Surffact.de, mit der ich vorher noch keinen Kontakt hatte, dass GLS ihnen mitgeteilt habe, dass meine Adresse falsch wäre, und ich solle ihr mitteilen, ob meine angegebene Adresse richtig sei. Das hatte ich Frau M. ja nicht schon am 8.10., also vor genau einer Woche, versichert. Da habe ich die Geduld verloren.

Ich hatte damit gerechnet, dass der Monitor wenige Tage nach der Bestellung bei mir ankommt. Dann hätte ich noch ca. zwei Wochen gehabt, meinen neuen Rechner in Ruhe einzurichten, ein bisschen zu zocken und ein paar andere Dinge zu tun, bevor das Wintersemester beginnt. Das haben mir Surffact.de und GLS gründlich versaut. Ich habe die Bestellung storniert, aber bis ich das Geld zurück und woanders einen neuen Monitor bestellt habe, und bis der dann ankommt, vergeht sicher noch eine Woche, und dann hat mich schon der Uni-Alltag wieder und ich keine Zeit mehr für das, was ich vorher noch machen wollte. Vielen herzlichen Dank, Surffact.de und GLS.

Ich habe mal gedacht, in meinem persönlichen Umfeld gäbe es keinen Rassismus. Fast jede_r in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis hat nette „ausländische“ Freunde, Arbeitskollegen, Klassenkameraden etc. Ich könnte ein Dutzend Geschichten von gelungenem Miteinander erzählen, von Frauen, die regelmäßig thailändische Kochkurse mit in die Dorfgemeinschaft gezogenen Thailänderinnen veranstalten, über meinen Bruder und seinen dunkelhäutigen Klassenkameraden mit Muttersprache Französisch, die miteinander ihre Deutsch- und Französischhausaufgaben machten, bis zu einer Frau über 60, deren Sohn in Thailand eine Familie gegründet hat und die nun thailändisch lernt, um sich bei Besuchen dort verständigen zu können.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Es gibt die offenbar tief verwurzelte Tendenz, auf der Herkunft ausländischer Mitmenschen herumzuhacken/ihre Herkunft verantwortlich zu machen, sobald diese etwas „Falsches“ oder als störend Empfundenes machen. Oft wird etwas auch schlimmer empfunden, gerade weil „ein Ausländer“ es gemacht hat. Seit mir das bewusst ist, fällt es mir jedes Mal auf. Aber nicht jedes Mal prangere ich es an, und das finde ich extrem scheiße von mir. So scheiße sogar, dass ich diesen Blogeintrag schreibe, um von drei relativ aktuellen Vorfällen zu erzählen, die ich bereue, bei denen ich Rassismus/rassistische Tendenzen erkannt, aber nicht angeprangert habe.

In unserer Wohngegend ist die Parksituation sehr schlecht. Die Straßen sind eng und es gibt nur wenige öffentliche Parkplätze, aber man arrangiert sich irgendwie. Es kam schon einige Male vor, dass Menschen (zufälligerweise „Ausländer“, die da nun mal wohnen) zu dicht an meiner Garage geparkt hatten. Das war nervig, aber nach einem netten Hinweis darauf ist es nicht mehr vorgekommen. Trotzdem erzählt mir eine ältere Nachbarin noch regelmäßig, dass „die Ausländer“ da immer so vor meiner Garage parkten, wie scheiße das denn wäre und ob mich das denn nicht störe. Ja, sie, die nicht betroffen ist, stört sich mehr daran als ich. Auch stört sie sich daran, dass die eine Familie im Sommer oft grillt. Einmal habe ich gesehen, wie sie mit dem Fahrrad vorbeigefahren ist und schon von weitem „Bäh, bäh, das stinkt!“ gerufen hat. Sie sucht eine Verbündete in mir. Ich stimme ihr nie zu, aber das reicht nicht. Ich sollte sie zurechtweisen.

Mein zehnjähriger Bruder, der gleiche, den ich im ersten Absatz lobend erwähnt habe, hat vor kurzem irgendwelche Leute, die am Haus vorbeikamen, uns gegenüber als „scheiß Russen“ bezeichnet. Unser Vater meinte dazu nur, dass er die das bloß nicht hören lassen solle. Wäre ich mit meinem Bruder allein gewesen, ich hätte ihm einen Vortrag gehalten. Aber vor meinem Vater hatte ich Hemmungen und habe nichts gesagt. Das dürfte nicht sein. Ich sollte bei sowas auch vor meinem Vater keinen Halt machen.

Ein Bekannter hatte am Wochenende im Suff einen Streit mit einem anderen („ausländischen“) Mann. Keine Ahnung, was der Anlass war, vermutlich irgendeine Nichtigkeit. Im Verlauf des Streits hat mein Bekannter den Anderen einen „Dreckstürken“ genannt. Ich stand direkt daneben und habe nichts gesagt. Genau wie ein Dutzend andere Menschen in Hörweite auch. Weil ich wieder die Einzige gewesen wäre, die das „so eng“ sieht und er mir am Ende noch eine dumme Diskussion darüber auf’s Auge gedrückt hätte. Aber davon dürfte ich mich nicht abschrecken lassen. Jemand muss etwas sagen, und wenn keiner was sagt, muss ich es tun.

Ich will die Menschen in meinem Umfeld spüren lassen, dass ich Rassismus und rassistische Äußerungen nicht dulde, und ich wünschte, mehr andere Menschen würden das auch tun.

Das passt zwar nicht zum Thema dieses Blogs, aber ich poste es trotzdem.

Vielleicht habt ihr die aktuelle Plakatwerbung von Marlboro schon gesehen. Ist ja auch schwer zu übersehen. Wie üblich will die Werbung Zigaretten der Marke Marlboro mit einem gewissen Image verbinden, um sie zu verkaufen. In diesem Fall ist das ein starkes, cooles, selbstbewusstes, gewinnendes Image. Wer keine Marlboro-Zigaretten raucht, ist ein „Maybe“, und „Maybes“ erreichen der Werbung zufolge nichts im Leben. So zieren die Plakate Texte wie „Maybe never wins“, „Maybe goes nowhere“ oder „Maybe never fell in love“. Dass das völliger Schwachsinn ist, muss ich wohl nicht extra betonen.

Ich hab mal ein paar Pro-Maybe-Plakate erstellt:

Bildquellen: 1 2 3 4

Im Gästebuch der offiziellen Ärzte-Seite (bademeister.com) gibt (bzw. gab es in den letzten Tagen) ebenfalls eine Diskussion über das XY/XX Konzert. Ich habe dort vor ein paar Tagen einen Hinweis auf meinen Blog-Eintrag gepostet. Ansonsten hatte ich mich eigentlich aus der Gästebuch-Diskussion heraushalten wollen. Ein paar Dinge wollte ich dann aber doch nicht so stehen lassen und habe vorgestern etwas geschrieben. Dazu wurde gestern von jemandem ein Kommentar gepostet, worauf ich wiederum gestern Mittag eine Antwort schrieb. Im Feld „Homepage“ hatte ich – wie bei den vorigen Einträgen auch – meinen Blog angegeben. Als ich abends wieder nachsah, musste ich feststellen, dass mein Eintrag nicht freigeschaltet worden war; andere Einträge, die später als meiner verfasst worden waren, jedoch schon. Ich schrieb noch einen Eintrag – diesmal ohne Blogangabe und mit der Frage an den Webmaster, warum mein voriger Eintrag nicht freigeschaltet worden sei. Auch dieser Eintrag wurde nicht freigeschaltet. Ich dachte, ihr solltet das wissen.

…die meinen Artikel zum XY/XX Konzert überheblich, unnötig, scheiße und was nicht noch alles fanden:

Ich möchte euch ein Lied ans Herz legen, ja, von EURER Band. Das gröhlt ihr doch alle immer so schön mit. Jetzt wäre ein geeigneter Zeitpunkt, sich über den Text auch einmal Gedanken zu machen.

Deine Schuld

Hast du dich heute schon geärgert, war es heute wieder schlimm?
Hast du dich wieder gefragt, warum kein Mensch was unternimmt?
Du musst nicht akzeptieren, was dir überhaupt nicht passt
Wenn du deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt, wenn sie so bleibt

Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst
Die, die das behaupten, haben nur vor Veränderung Angst
Es sind dieselben, die erklären, es sei gut so, wie es ist
Und wenn du etwas ändern willst, dann bist du automatisch Terrorist

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt
Weil jeder, der die Welt nicht ändern will
Ihr Todesurteil unterschreibt

Lass uns diskutieren, denn in unserem schönen Land
Sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant
Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh
Darum lass uns drüber reden, Diskussionen sind ok

Geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstrieren
Denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen, kann nur verlieren
Die dich verarschen, die hast du selbst gewählt
Darum lass sie deine Stimme hören, weil jede Stimme zählt

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt