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Archiv für den Monat Januar 2013

Durch Twitter bin ich vor einiger Zeit auf das feministische Selber-mach-Buch „Mach’s selbst – Do it yourself für Mädchen“ von den Autorinnen Sonja Eismann und Chris Köver und der Grafikerin Daniela Burger gestoßen und war sofort davon begeistert, weil es laut Beschreibung nicht nur „klassische“ Bastelanleitungen enthalte, sondern auch Dinge, mit denen Mädchen auch heutzutage immer noch viel zu selten in Berührung gebracht werden, nämlich Dinge, die wirklich praktisch sind und eine unabhängiger machen, und einer zeigen, dass Mädchen-Sein eine von nichts abhalten muss. Auch nicht von Dingen, die Werkzeug erfordern und/oder bei denen eine sich die Finger schmutzig machen kann. So geht aus der Beschreibung hervor, dass eine mit dem Buch zum Beispiel lernen könne, wie sie Fahrradreifen flicken, Musikanlagen anschließen, eine Band gründen oder Dübel in die Wand bringen kann. Aber auch „klassische Mädchenthemen“ wie backen, kochen, Gemüse anpflanzen und Partys organisieren kämen nicht zu kurz.

So weit, so gut. Weiter als „ah, sowas gibt es, super!“ wäre mein persönliches Interesse dann nicht mehr gegangen, denn ich bin ja schon groß. Allerdings habe ich das Buch als diesjähriges Geburtstagsgeschenk für meine kleine Cousine auserkoren, was mir die Gelegenheit gegeben hat, es auch selber durchzublättern. Ich will ja wissen, was ich verschenke. Und ich muss sagen, meine Erwartungen wurden nicht nur nicht enttäuscht, sondern sogar bei weitem übertroffen. Das Buch gibt nicht nur schnöde Anleitungen, sondern lädt auch an vielen Stellen zum selber Nach- und Querdenken ein. Zum Beispiel wird dargelegt, wie wichtig es ist, die eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen, besonders, wenn eine etwas schlecht findet, und auch, wie einfach das heutzutage ist, etwa in einem Leserbrief, Zine oder Blog. Außerdem gibt es Anleitungen (um nicht zu sagen Anstiftung) zu Street Art und Tipps, wie eine ihre eigenen Protestaktionen bekannter machen kann. Was ich außerdem gut finde, ist, dass es auch einige Interviews mit Frauen gibt, die im Buch beschriebene Dinge beruflich/professionell machen, Hinweise zu nicht-diskriminierender Sprache und veganer Lebensweise, Containern und Volksküchen, Tipps, wie eine schlagfertig werden und sich gegen Mobbing und Rassismus einsetzen kann, der Bechdel-Test wird erwähnt, etc. Zu fast jedem Thema sind weiterführende Links angegeben, u. a. auch zur Mädchenmannschaft. Übrigens ist im Buch konsequent das generische Femininum verwendet, inklusive Erklärung dazu. Und das alles, ohne auch nur einmal das böse, abschreckende F-Wort „feministisch“ zu verwenden. Echt klasse.

Als kleine Kritikpunkte habe ich lediglich folgende: 1. Obwohl im Vorwort steht, dass das Buch trotz durchgängigem Femininum auch für Jungs und Männer ist, steht auf dem Cover explizit „für Mädchen“. Ich verstehe, wieso das so ist, es ist nun mal vorrangig an Mädchen gerichtet, um diese zu stärken und mit feministischen Ideen in Berührung zu bringen. Aber wenn auch im Vorwort steht, dass das Buch auch für Jungs ist (und es ist wichtig, auch Jungs mit diesen Ideen in Berührung zu bringen), so wird doch wohl kaum ein Junge ein Buch geschenkt bekommen, auf dem „für Mädchen“ steht, geschweige denn es sich selbst kaufen. Wenn wirklich auch Jungs angesprochen werden sollen, hätte sich das auch auf dem Cover widerspiegeln sollen („für Mädchen (und Jungs)“). 2. Es gibt zwar, was ich großartig finde, eine Seite zu vegetarischer und veganer Ernährung (auch wenn das für meinen persönlichen Geschmack ausführlicher hätte sein können), jedoch wird das (Veganismus, der dem Vegetarismus vorzuziehen ist) nicht praktisch durchgezogen. Es gibt zwar ein Rezept für Chili sin carne (Chili con carne ohne Fleisch), aber das enthält saure Sahne, obwohl es wirklich keine große Sache gewesen wäre, das durch Sojasahne zu ersetzen. Außerdem gibt es ein Rezept für einen Rührkuchen, das Butter, gleich fünf Eier und „Milch oder Sojamilch“ enthält. Sorry, aber wenn in dem Teig schon Butter und Eier sind, reißt Sojamilch statt Kuhmilch es auch nicht mehr raus. Das ist sehr schade, weil man Fleischessern die vegane Lebensweise durch nichts schmackhafter machen kann als durch leckere vegane Gerichte. Und es ist ja auch nicht so, als gäbe es keine veganen Kuchenrezepte. 3. Wie oben schon erwähnt, will das Buch zum Bloggen anregen, und das ist ja auch echt super. Allerdings ist die Seite, an deren Beispiel erklärt wird, wie man einen Blog anlegt, … Tumblr. Ich verstehe den Gedanken dahinter: Ein Tumblr ist schnell registriert und unkompliziert (wenn man erst mal dahinter gekommen ist). Allerdings habe ich so die Vermutung, dass sich die Autorinnen nie wirklich näher mit Tumblr beschäftigt haben. Mir behagt jedenfalls der Gedanke so gar nicht, dass meine 12-jährige Cousine in diese Welt aus extremen Fandoms, Slash-Fanfictions, Porno-Gifs und anderen, ihrem Alter nicht angemessenen Inhalten vorstoßen könnte. Ganz ehrlich, das ist meines Erachtens das größte Manko des Buchs und ich überlege ernsthaft, ob ich diese eine Seite aus dem Buch entfernen sollte, bevor ich es ihr gebe.

Davon abgesehen kann ich das Buch jedoch nur empfehlen. Mädchen sowieso, und Jungs, die über das explizite „für Mädchen“ hinwegsehen können, auch. Am liebsten würde ich sogar in der Zeit zurückreisen und meinem jüngeren Ich das Buch schenken.

 

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Ich durfte dieses Semester für die Uni den Begriff „Transgender“ definieren. Und weil ich das so schön erklärbärig gemacht habe, wäre es doch schade, wenn das Menschen außerhalb jenes Seminars nicht zugänglich wäre. Also veröffentliche ich es jetzt hier, auf dass die Menschen, die das alles noch nicht so ganz verstehen, es lesen können und danach hoffentlich einen besseren Überblick haben.

Begriffserklärung

Der Begriff transgender setzt sich zusammen aus lat. trans „jenseitig“, „darüber hinaus“ und engl. gender „soziales Geschlecht“, bedeutet also wörtlich „jenseits des sozialen Geschlechts“ bzw. „über das soziale Geschlecht hinaus“. Der Gegenbegriff zu transgender lautet cisgender.

Definition

Mit dem Überbegriff transgender bezeichnet man Menschen, deren Geschlechtsidentität (gender identity; die Selbstidentifikation als Mann, Frau, beides oder keins davon) von ihrem körperlichen Geschlecht (assigned sex; zugewiesen von anderen Menschen anhand der Genitalien) abweicht. Cisgender sind Menschen, deren Geschlechtsidentität mit ihrem körperlichen Geschlecht übereinstimmt.

Weitere Erläuterungen

Transgender können den Wunsch haben, in der Geschlechterrolle (gender role) des „anderen“, ihnen bei der Geburt nicht zugewiesenen Geschlechtes zu leben und von anderen darin anerkannt zu werden. Dieser Wunsch kann, muss aber nicht, mit dem Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen (Hormonbehandlung, Entfernen der Brust bzw. Einsetzen von Brustimplantaten bis hin zur Angleichung der Genitalien) einhergehen. Man bezeichnet diese Transgender oft als female to male (ftm; Frau-zu-Mann) bzw. male to female (mtf; Mann-zu-Frau).

Andere Transgender können die vorherrschenden Geschlechterrollen für sich selbst oder generell ablehnen. Diese Transgender sehen sich oft selbst als geschlechtslos (agender), genderqueer bzw. nicht-binär (non-binary) oder als drittes Geschlecht (third gender). Manche wechseln zwischen den beiden vorherrschenden Rollen und optischen Erscheinungsbildern hin und her. Andere wollen sich nicht in eine Rolle einordnen lassen und können, müssen aber nicht, ein androgynes Aussehen anstreben.

Die Geschlechtsidentität ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Transgender können wie Cisgender homosexuell, heterosexuell, bisexuell, pansexuell oder asexuell sein. Da die Begriffe homosexuell und heterosexuell gerade bei Transgendern, die das binäre Geschlechtersystem für sich und/oder generell ablehnen, für Verwirrung sorgen können, verwenden Einige stattdessen die Begriffe androphil (an Männern interessiert) und gynophil (an Frauen interessiert).

Verwendete Quellen: Wikipedia, Wikipedia, Wikipedia und Allgemeinwissen

Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran mit meinem Jahresrückblick, aber das macht ja nichts. Ich will nur noch mal rekapitulieren, was ich 2012 so alles gepostet habe, und dazu noch das eine oder andere ergänzen. Meinen Vorsatz, 2012 mindestens 12 Blogartikel zu schreiben, habe ich eingehalten. :D

Im Januar und Februar habe ich mich über dämliche Kinder-Shirts von s.Oliver aufgeregt. s.Oliver verkauft nämlich Shirts mit Aufschriften wie „Anything girls can do boys can do better“ und umgekehrt. Das sind aber nicht die einzigen, im Sortiment von s.Oliver lassen sich noch viele andere finden. Das zum Beispiel. Ich habe mich zwei Mal über das Kontaktformular dort beschwert. Beim ersten Mal erhielt ich eine Antwort, beim zweiten Mal nicht mehr. Eine Freundin von mir, die sich auch dort beschwert hat, erhielt auch keine Antwort. Ich frage mich immer noch, durch wie viele Hände diese Designs gehen, bevor sie in den Verkauf gehen, und ob da wirklich niemand was merkt.

Dann hatte ich im Februar noch auf eine Aktion von Amnesty International zum Weltfrauentag 2012 hingewiesen. Und wo wir schon dabei sind, über den Weltfrauentag hatte ich mir auch Gedanken gemacht. Ich habe leider das Gefühl, dass ich so einen Artikel jedes Jahr zum Weltfrauentag schreiben könnte.

Was ich im März sehr faszinierend fand, war das, was ich salopp „Umschnallvagina“ nenne: Eine Art Nachbildung der menschlichen Vagina, die Transfrauen tragen können, um sich „weiblicher“ zu fühlen und je nach Kleidung auch „weiblicher“ auszusehen. Das Faszinierendste daran fand ich, dass man damit angeblich auch Penetrations-Sex haben können soll. Allerdings bezweifle ich, dass das wirklich funktioniert. Ich konnte es zwar mangels Penis nicht ausprobieren, aber die Penistasche meines vorliegenden Exemplars wirkt nicht gerade dehnbar genug dafür. Nun ja.

Andere Menschen fanden meine an die Marlboro-Werbung angelehnten Anti-Raucher_innen-Plakate viel interessanter. Der Artikel ist der mit der mit Abstand größten Klickzahl seit Bestehen dieses Blogs. Verstehe ich ehrlich gesagt gar nicht. ^^“ Aber das mag auch an diesen vielen Menschen liegen, die immer noch täglich mit Suchbegriffen wie „was ist ein maybe“ meinen Artikel finden. Was ich auch nicht verstehe. So langsam muss doch mal jede_r die Werbung verstanden haben.

Axe hatte auch eine sehr doofe Werbung.

Im April habe ich mich über einen Artikel von einem Jonathan Petrychyns aufgeregt. Der fand nämlich, dass die Serie Glee Homosexuelle zu „normal“ darstellt. Homosexuelle sind nämlich nicht wie die Heteros, sondern ganz anders!!!1 Weil, äh, darum! Man beachte da auch den Kommentar von Markus, der meinen Punkt nicht verstanden, aber gleich mal Homophobie geschrien hat.

Dann war ich erst mal ein bisschen schreibfaul, aber im August habe ich mich über Rassismus in meinem persönlichen Umfeld ausgelassen und das neue Mädchen-Ü-Ei von Ferrero untersucht. An der Stelle will ich noch auf diesen Artikel von Antje Schrupp hinweisen, die festgestellt hat, dass es bei dem Ei nicht nur um Mädchen geht, sondern auch um Jungen.

Im Oktober musste ich mich mit dem grauenhaften Lieferservice GLS herumärgern.

Im Dezember habe ich mir den Winterkatalog 2012 von Nintendo angeschaut, der 17 Spiele für Jungen empfiehlt, aber nur zwei für Mädchen. Außerdem habe ich den Animationsfilm „Ralph reichts“ (Vorsicht, Spoiler!) gesehen und dabei auf Genderaspekte geachtet. Und ich habe mich über nicht-heteronormative Fernsehwerbung gefreut. :)