Gedanken zu Ralph reichts (SPOILER)

[Spoiler-Warnung: Ich gehe in diesem Eintrag auf inhaltliche Aspekte des Films ein]

Vorneweg: Ralph reichts ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Film, den man sich ruhig mal ansehen kann.

Positiv aufgefallen ist mir, dass der Film zeigt, dass alle Spielgenres für alle Kinder geeignet sind. Ganz selbstverständlich spielt ein Mädchen in der Arcade-Halle den Ego-Shooter Hero’s Duty, während zwei Jungs das süße rosa Rennspiel Sugar Rush spielen, in dem kleine Mädchen als Rennfahrerinnen durch eine Welt aus Zucker und Gebäck rasen.

Auf die beiden weiblichen Hauptfiguren Vanellope von Schweetz und Sergeant Tamora Jean Calhoun will ich etwas genauer eingehen.

Vanellope von Schweetz ist ein kleines Mädchen in Sugar Rush, das nicht an den Rennen teilnehmen darf, (vorgeblich) weil es unkontrolliert glitcht. Von den anderen Mädchen im Spiel wird Vanellope gemobbt. Die anderen Mädchen sind die klassischen oberflächlichen Zicken, die man aus amerikanischen Highschool-Filmen kennt. Vanellope dagegen ist das klassische Außenseitermädchen mit dunklen Haaren und Kapuzenjacke, bietet also Identifikationspotential. Ein Mauerblümchen ist sie allerdings nicht. Sie weiß, was sie will – nämlich Rennen fahren – und bekommt das am Ende auch. Zusammen mit Ralph bricht sie in die Rennwagenfabrik ein, stiehlt ein Auto und nutzt bei der anschließenden Flucht vor King Candy einen nur ihr bekannten Glitch, um sich und Ralph in Sicherheit zu bringen. Später lernt sie ihr eigenes Glitchen zu kontrollieren und rettet damit am Ende sogar Ralphs Leben, nachdem dieser in einer Selbstmordaktion Sugar Rush vor der Invasion der Cy-Bugs (die er ja auch verursacht hat) gerettet hat. Sie hat damit einen vermeintlichen Fehler an sich in einen Vorteil für sich umgewandelt. Als das Spiel neu hochgefahren wird und alle Figuren ihre Erinnerungen zurück erhalten, stellt sich heraus, dass Vanellope die Prinzessin des Spiels und damit auch die Hauptfigur ist. Die anderen Mädchen sind wieder nett zu ihr. Vanellope will aber kein Prinzessinnenkleid tragen und auch nicht den ganzen Tag im Schloss herumsitzen, sondern weiterhin Rennen fahren, und so ist es dann auch. Alles ist gut, Vanellope glitcht weiterhin und wird von den Spieler_inne_n der Arcade-Halle trotzdem oder gerade deswegen gemocht. Das ist eine schöne Message für kleine Mädchen. Du musst keine Prinzessin sein (wollen), du kannst auch Rennfahrerin werden, wenn du das willst, und du musst nicht perfekt sein, um gemocht zu werden.

Sergeant Tamora Jean Calhoun ist eine Soldatin aus dem Ego-Shooter Hero’s Duty. Sie ist die Kommandantin einer ansonsten rein männlichen Armee und steht ihren Soldaten in nichts nach. Sie ist einfach badass. Als Ralph versehentlich einen Cy-Bug aus ihrem Spiel nach Sugar Rush einschleppt, ist sie es, die sich allein auf den Weg machen will, den Cy-Bug zu töten und damit Sugar Rush vor der totalen Zerstörung zu bewahren. Sie schützt damit die Leben ihrer Soldaten und setzt ihr eigenes aufs Spiel, da Spielfiguren, die außerhalb ihres eigenen Spiels sterben, kein weiteres Leben mehr zur Verfügung haben. Die Nervensäge Fix-it-Felix Jr. besteht allerdings darauf, mitzukommen, und erweist sich dann Dank seines magischen Reparier-Hammers doch als recht nützlich. Calhoun verhält sich ihrem Charakter entsprechend zunächst kühl und abweisend ihm gegenüber. Das ändert sich jedoch schlagartig, als sie zusammen im Nesquik-Treibsand landen und Felix auf die Idee kommt, die über ihnen hängenden Lianen als Seil zu benutzen. Da kehren sich die Rollen um und Felix ist plötzlich der starke, maskuline Part, der die Situation und die Liane fest im Griff hat, und Calhoun, die badass-e Soldatin, ist plötzlich die hilflose Jungfrau in Nöten, die gerettet werden muss. Die sich, obwohl fast doppelt so groß wie er, an ihm festhält und bewundernd zu ihm aufschaut. Man möchte sich übergeben. Nach allem, was wir bisher von ihr erfahren hatten, ist so ein Verhalten absolut untypisch und unrealistisch für sie, und sie merkt das dann auch selber und verhält sich wieder „normal“. Sie wirft Felix sogar aus dem Gleiter, als er unwissentlich etwas sagt, das ihr Verlobter immer zu ihr gesagt hatte. Ihr Verlobter war übrigens am Tag ihrer Hochzeit vor dem Traualtar von einem Cy-Bug gefressen worden, worüber Calhoun nicht hinweg kommt. Nichtsdestotrotz versöhnen sie und Felix sich am Ende, als er sie aus heiterem Himmel auf die Wange küsst und sie deswegen kurz sauer auf ihn ist, bevor sie ihn leidenschaftlich auf den Mund küsst. Und dann heiraten sie. Weil es ja nicht angehen kann, dass die attraktive Elitesoldatin am Ende des Films immer noch Single ist. Oder so. Ich finde die Figur super, ich mag starke, unabhängige, badass-e Frauen. Aber dass sie sich in Felix verliebt hat, finde ich nicht richtig. Ausgerechnet in die Nervensäge Fix-it-Felix Jr., den sie die ganze Zeit nicht leiden konnte und der ohne sein Hämmerchen überhaupt nichts ‚wieder hinkriegt‘. Das passt einfach nicht zu ihrem Charakter. Und was soll das überhaupt für eine Message sein? „Sie ist von dir genervt und hat dich aus dem Gleiter geworfen, aber küss sie ruhig trotzdem mal, sie will es doch auch“? Und dann bekommt Felix auch noch recht anstatt aufs Maul? Im Ernst?!

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