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Archiv für den Monat August 2012

Falls es jemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Ferrero hat diesen Monat ein zweites Überraschungsei auf den Markt gebracht, das explizit für Mädchen und „nur für Mädchen“ gedacht ist. Natürlich ist es rosa. Die Werbung, die Verpackung, die angekündigte Figurenserie. Was ich dazu zu sagen hätte, wurde schon geschrieben, deshalb spare ich mir das. Lest das mal hier: Kinderüberraschung in rosa? #Ichkaufdasnicht

Die TAZ hat auch einen Artikel dazu geschrieben: Sexismus bei Ü-Eiern: Ein Stück vom Lillifee-Zauberstab

Ich wollte mir das neue Überraschungsei trotzdem angucken. Ich habe eins gekauft und mit einem herkömmlichen Ei verglichen.

Links das Ei „nur für Mädchen“, rechts das herkömmliche. Die Mädchen-Verpackung ist gar nicht SO rosa, wie ich mir das aufgrund der Werbung vorgestellt hatte. Es ist „nur“ ein rosa Farbtupfer mit Blümchen, vermutlich, um nicht zu sehr vom normalen Design abzuweichen und den Wiedererkennungswert nicht zu verlieren. (Ja, das ist ein Eierdings aus dem Kühlschrank.)

Die Schokolade ist gleich geblieben. Zum Glück, die ist nämlich das Beste an beiden Ü-Eiern! Das hatte ich aber auch nicht anders erwartet.

Die innere Plastikverpackung ist auch gleich (gelb) geblieben. Das ist an sich natürlich zu begrüßen, nicht noch mehr rosa extra für Mädchen, aber bei der ganzen rosa Werbung und dem rosa auf der Folie frage ich mich doch, wo da die Konsequenz bleibt.

Hier noch mal ohne Schokolade. An der Stelle möchte ich anmerken, dass ich die alten Plastikverpackungen, die aus zwei Teilen bestanden und die man aufeinander stecken konnte, viel besser fand. :(

Auch geöffnet erkennt man keinen besonderen Unterschied. Das Mädchen-Ei immer noch links, das herkömmliche rechts.

Der Inhalt meines Ü-Eis „nur für Mädchen“: Eine auf süß getrimmte Babyrobbe mit übergroßen Augen, die man auf die Hand nehmen oder hinstellen und angucken kann. Juhu! Immerhin sind auf dem Zettel noch ein paar Fakten zu dem Tier, damit ich auch was lerne.

Der Inhalt meines herkömmlichen Ü-Eis: Ein Wurfdings, mit dem man draußen spielen kann, also zur Bewegung animiert wird. Ich habe es zwar nur in der Wohnung ausprobiert, aber: Huiii! Das Ganze in rosa, und auf dem Zettel ist sogar auch ein Mädchen abgebildet. Dabei ist das Ei doch gar nicht explizit für Mädchen gedacht! Sowas aber auch!

Mein persönliches Fazit lautet: Das neue Überraschungsei „nur für Mädchen“ ist unnötig und aus in den oben verlinkten Artikeln genannten Gründen abzulehnen. Die Schokolade schmeckt aber trotzdem gut.

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Ich habe mal gedacht, in meinem persönlichen Umfeld gäbe es keinen Rassismus. Fast jede_r in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis hat nette „ausländische“ Freunde, Arbeitskollegen, Klassenkameraden etc. Ich könnte ein Dutzend Geschichten von gelungenem Miteinander erzählen, von Frauen, die regelmäßig thailändische Kochkurse mit in die Dorfgemeinschaft gezogenen Thailänderinnen veranstalten, über meinen Bruder und seinen dunkelhäutigen Klassenkameraden mit Muttersprache Französisch, die miteinander ihre Deutsch- und Französischhausaufgaben machten, bis zu einer Frau über 60, deren Sohn in Thailand eine Familie gegründet hat und die nun thailändisch lernt, um sich bei Besuchen dort verständigen zu können.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Es gibt die offenbar tief verwurzelte Tendenz, auf der Herkunft ausländischer Mitmenschen herumzuhacken/ihre Herkunft verantwortlich zu machen, sobald diese etwas „Falsches“ oder als störend Empfundenes machen. Oft wird etwas auch schlimmer empfunden, gerade weil „ein Ausländer“ es gemacht hat. Seit mir das bewusst ist, fällt es mir jedes Mal auf. Aber nicht jedes Mal prangere ich es an, und das finde ich extrem scheiße von mir. So scheiße sogar, dass ich diesen Blogeintrag schreibe, um von drei relativ aktuellen Vorfällen zu erzählen, die ich bereue, bei denen ich Rassismus/rassistische Tendenzen erkannt, aber nicht angeprangert habe.

In unserer Wohngegend ist die Parksituation sehr schlecht. Die Straßen sind eng und es gibt nur wenige öffentliche Parkplätze, aber man arrangiert sich irgendwie. Es kam schon einige Male vor, dass Menschen (zufälligerweise „Ausländer“, die da nun mal wohnen) zu dicht an meiner Garage geparkt hatten. Das war nervig, aber nach einem netten Hinweis darauf ist es nicht mehr vorgekommen. Trotzdem erzählt mir eine ältere Nachbarin noch regelmäßig, dass „die Ausländer“ da immer so vor meiner Garage parkten, wie scheiße das denn wäre und ob mich das denn nicht störe. Ja, sie, die nicht betroffen ist, stört sich mehr daran als ich. Auch stört sie sich daran, dass die eine Familie im Sommer oft grillt. Einmal habe ich gesehen, wie sie mit dem Fahrrad vorbeigefahren ist und schon von weitem „Bäh, bäh, das stinkt!“ gerufen hat. Sie sucht eine Verbündete in mir. Ich stimme ihr nie zu, aber das reicht nicht. Ich sollte sie zurechtweisen.

Mein zehnjähriger Bruder, der gleiche, den ich im ersten Absatz lobend erwähnt habe, hat vor kurzem irgendwelche Leute, die am Haus vorbeikamen, uns gegenüber als „scheiß Russen“ bezeichnet. Unser Vater meinte dazu nur, dass er die das bloß nicht hören lassen solle. Wäre ich mit meinem Bruder allein gewesen, ich hätte ihm einen Vortrag gehalten. Aber vor meinem Vater hatte ich Hemmungen und habe nichts gesagt. Das dürfte nicht sein. Ich sollte bei sowas auch vor meinem Vater keinen Halt machen.

Ein Bekannter hatte am Wochenende im Suff einen Streit mit einem anderen („ausländischen“) Mann. Keine Ahnung, was der Anlass war, vermutlich irgendeine Nichtigkeit. Im Verlauf des Streits hat mein Bekannter den Anderen einen „Dreckstürken“ genannt. Ich stand direkt daneben und habe nichts gesagt. Genau wie ein Dutzend andere Menschen in Hörweite auch. Weil ich wieder die Einzige gewesen wäre, die das „so eng“ sieht und er mir am Ende noch eine dumme Diskussion darüber auf’s Auge gedrückt hätte. Aber davon dürfte ich mich nicht abschrecken lassen. Jemand muss etwas sagen, und wenn keiner was sagt, muss ich es tun.

Ich will die Menschen in meinem Umfeld spüren lassen, dass ich Rassismus und rassistische Äußerungen nicht dulde, und ich wünschte, mehr andere Menschen würden das auch tun.