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Archiv für den Monat März 2012

Vielleicht habt ihr die aktuelle Axe-Werbung schon gesehen. Falls nicht, sei kurz erklärt: Es gibt einen Spot, den man sich bei Interesse auch auf Youtube ansehen kann und Plakate mit Sprüchen à la „Prüf sie mündlich“, „Such dir ne Stellung als Missionar“, „Egal was sie trinken will – besorg’s ihr“ und ähnliche. Dass Axe damit wirbt, dass ihre Produkte eine anziehende Wirkung auf Frauen hätten, ist ja bekannt. Dennoch stößt die aktuelle Kampagne nicht nur mir besonders sauer auf. Ich wollte schon länger darüber schreiben, aber ich konnte einfach nicht in Worte fassen, WIE dumm ich die Werbung finde.

Annika Hüttmann konnte das glücklicherweise:

Die Plakate und der Spot haben alle die Gemeinsamkeit, dass der Mann eine aktive Position einnimmt, während Frauen lediglich passive Objekte sind, die der sexuellen Befriedigung des Mannes zu dienen haben. Um sich eine Frau zu „nehmen“ muss mann nichts weiter tun als sich mit einem Deo einzusprühen – schon gehorcht die Frau nicht mehr ihrem eigenen Willen, sondern einem Instinkt, sich der besprühten Person zur Verfügung zu stellen. Toll! Axe ist also die legale Variante von K.-o.-Tropfen! Viel näher kann mensch einer Aufforderung zur Vergewaltigung nicht mehr kommen.

Mit „Nimm nur gut Gebautes“ lässt Axe dann noch etwas Lookismus in die Kampagne einfließen. Eine Frau – beziehungsweise das Objekt, das „gut Gebaute“ hat natürlich gewisse Schönheitsideale zu erfüllen um der Aufmerksamkeit des Mannes würdig zu sein. Hier wird besonders deutlich, dass es in der Welt der Deo-Marke unvorstellbar ist, eine weibliche Person könne mehr als ein schönes Spielzeug für den Mann sein.

Die überspitzte Form des männlichen Stereotyps vom sexhungrigen, mächtigen Jäger, die das angebliche Augenzwinkern der Kampagne ausmacht, reproduziert, legitimiert und normalisiert Sexismus. Denn auch wenn sich wohl kaum jemand aufgefordert sehen wird, die Sprüche der Plakate exakt umzusetzen, wird dem heterosexuellen, weißen Mann bestätigt, dass ihm die Welt gehört und vorgeschrieben, wie ein “ richtiger“ Mann zu denken hat. Durch das Weltuntergangsszenario deutet Axe an, dass er sich unter „normalen“ Umständen nicht so verhalten kann, wie er eigentlich möchte. Diese Werbung sollte also nicht nur bei Frauen Übelkeit auslösen, sondern auch bei allen männlichen Personen, die ihren Lebensinhalt nicht auf die Suche nach Sex reduziert sehen wollen.

Den ganzen Artikel gibt es bei aviva-berlin.de.

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Gestern war also Weltfrauentag. Dass es bei dem Tag um Gleichberechtigung bzw. die Stärkung der Rechte von Frauen (jenachdem, wofür man eintritt) und auch den Weltfrieden geht – offiziell heißt der Tag „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ – scheint an einigen Leuten jedoch vorbeigegangen zu sein. Anders ist nicht zu erklären, warum Menschen auf Twitter unter dem Hashtag #weltfrauentag „einen schönen Weltfrauentag“ wünschten oder Frauen wohlwollend davon berichteten, dass sie Blumen geschenkt bekamen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass diese Leute den Weltfrauentag für eine Art Muttertag halten, ausgeweitet auf alle Frauen.

Um mal ein Beispiel zu nennen:

Klasse! Das ist genau das, worum es bei dem Tag geht, mein Lieber! Nicht!

Ein anderes Beispiel ist der „Sekthersteller“, der gestern in Köln Rosen an Frauen verteilt hat. Dass das nett gemeint war, will ich gar nicht absprechen. Aber es ist in gewisser Hinsicht auch beleidigend. Rosen kann man meinetwegen am Muttertag und am Valentinstag verteilen, aber nicht an einem Tag, der der Gleichberechtigung bzw. den Rechten der Frau gewidmet ist. („Wir wollen Gleichberechtigung!“ – „LOL NOPE. Hier, haste ’ne Rose.“)

Die Kommentare auf der Seite zeigen auch ganz deutlich, dass viele den Tag offensichtlich nicht verstanden haben.

Es gibt übrigens auch einen internationalen Männertag. Das führt mich zu der folgenden Überlegung: Wenn es sowohl einen Frauen- als auch einen Männertag gibt, an denen jeweils die Stärkung der Rechte der Frau bzw. des Mannes bzw. Gleichberechtigung gefordert wird, sie also im Grunde genommen das Gleiche fordern, warum dann nicht die beiden Tage zu einem Gleichberechtigungstag zusammenlegen? Das wäre effizienter, könnte nicht mehr für einen Muttertag 2.0 gehalten werden und würde gleichzeitig Menschen miteinschließen, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einordnen können oder wollen.

Umschnallvagina? Klingt wie Umschnallpenis. Hey, hat das was damit zu tun?“ Ganz genau. Ich möchte aber gleich anmerken, dass das kein Artikel über Sexspielzeug ist. Vielmehr geht es um ein Produkt, das dafür gemacht ist, dass sich Penisträger*, die sich eine Vagina wünschen, in ihrem Körper wohler fühlen können.

Ich hatte vor kurzem ein Gespräch, in dem es darum ging, dass Vaginaträger einige Möglichkeiten haben, einen Penis zu „simulieren“ (verzeiht die saloppe Wortwahl), wenn sie das möchten. Penisträger können sich nicht einfach eine Vagina „umschnallen“. Dachten wir zumindest, bevor wir gegooglet haben.

Tatsächlich gibt es für Penisträger eine Möglichkeit, sich eine Vagina „umzuschnallen“, und zwar die „Vaginaprothese“ von Ladylady. Der große Vorteil dieser Vaginaprothese (ich habe noch andere gefunden, die mich weniger überzeugt haben) ist, dass sie penetrationsfähig ist. Wie das genau funktioniert, ist schlecht anschaulich zu beschreiben. Guckt euch einfach die Bilder auf der Homepage an: Vagimitation

Ich habe angefragt, was eine Vaginaprothese kostet. Da der Preis auf der Homepage nicht steht, veröffentliche ich ihn hier auch nicht. Nur so viel: Ganz billig ist sie natürlich nicht, aber durchaus noch erschwinglich.

Das soll keine billige Werbung sein. Es geht mir mehr darum, bekannt zu machen, dass es solche Produkte gibt. Ich halte das für nötig. Umschnalldildos dürfte heutzutage fast jeder kennen, aber eine Umschnallvagina war selbst mir vorher noch nie begegnet – und ich halte mich in solchen Dingen eigentlich für aufgeklärt. Die Leute, denen ich davon erzählt habe, zeigten sich auch eher überrascht bis irritiert.

Die Umschnallvagina ist allerdings nicht direkt das Pendant zum Umschnalldildo. Ein Umschnalldildo ist „nur“ ein Sexspielzeug. Eine Umschnallvagina kann auch im Alltag dazu beitragen, sich weiblicher zu fühlen und weiblicher auszusehen. Sie ist quasi das Pendant zu Umschnalldildo und Packer** zusammen.

Hier noch die Produkte, die mich nicht überzeugt haben:

Pack-A-Pussy

V-String

Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es kann durchaus sein, dass es noch mehr derartige Produkte gibt, ich habe jedoch nicht mehr weiter gesucht.


* Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, diesen Artikel ausnahmsweise zu gendern, aber „Penisträger und Penisträgerinnen“ und „Vaginaträger und Vaginaträgerinnen“ war mir dann doch zu albern. Mit der männlichen Form sind selbstverständlich Menschen jeglichen Geschlechts gemeint.

** Ein Packer ist etwas, das Vaginaträger in der Unterhose tragen können, um eine Beule in der Hose zu formen und sich männlicher zu fühlen.

Das passt zwar nicht zum Thema dieses Blogs, aber ich poste es trotzdem.

Vielleicht habt ihr die aktuelle Plakatwerbung von Marlboro schon gesehen. Ist ja auch schwer zu übersehen. Wie üblich will die Werbung Zigaretten der Marke Marlboro mit einem gewissen Image verbinden, um sie zu verkaufen. In diesem Fall ist das ein starkes, cooles, selbstbewusstes, gewinnendes Image. Wer keine Marlboro-Zigaretten raucht, ist ein „Maybe“, und „Maybes“ erreichen der Werbung zufolge nichts im Leben. So zieren die Plakate Texte wie „Maybe never wins“, „Maybe goes nowhere“ oder „Maybe never fell in love“. Dass das völliger Schwachsinn ist, muss ich wohl nicht extra betonen.

Ich hab mal ein paar Pro-Maybe-Plakate erstellt:

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