Der Securitymensch und die gegenderten Toiletten

Vor einiger Zeit habe ich auf einem Dorffest eine Szene erlebt, die mich im Nachhinein auf die Palme gebracht hat. Zu später Stunde suchte ich die Toilette auf. Es gab, wie das meistens so ist, drei separate Toilettenräume, die durch Schilder mit jeweils einem Männchen, einem Männchen im Kleid oder einem Männchen im Rollstuhl als Herren-, Damen- und Rollstuhlfahrertoiletten gekennzeichnet waren. Wie das auch meistens so ist, hatte sich vor der Damentoilette eine lange Schlange gebildet, während auf der Herrentoilette nur ein geringer Andrang herrschte. Personen im Rollstuhl habe ich überhaupt keine gesehen. Die Gesamtheit der Toilettenbesucher war also sehr ungleichmäßig auf die drei Toilettenräume verteilt. Führt man sich das vor Augen, ist es nichts anderes als logisch, dass einige Damen zur Verkürzung der Wartezeit auf die Herren- und Rollstuhlfahrertoiletten auswichen. Rollstuhlfahrer waren wie gesagt keine da, und die meisten Herren gingen sowieso nicht in eine Kabine, sondern benutzten das Pissoir, daher war das überhaupt kein Problem. Die zwei (ganze zwei!) Herren, die ich in der Toilette sah, ließen sich durch die Damen nicht stören, und auch die Dame, die für die Sauberkeit der Toiletten verantwortlich war, erhob keine Einwände dagegen. Warum auch. Das System funktionierte wunderbar. Aber dann tauchte plötzlich ein Securitymensch auf und meinte, sich da einmischen zu müssen. Er bemühte sich, die Damen aus der Herrentoilette zu scheuchen, was ihm nach mehrmaliger Aufforderung und lauterer Stimme leider auch gelang. Seine Begründung war, dass das die Herrentoilette sei. Daran missfielen mir drei Dinge:

Erstens: Was sind die Aufgaben der Securitymenschen auf einem Dorffest? Richtig, sie sollen Präsenz zeigen, bei Streitigkeiten unter Anwesenden deeskalierend wirken und ähnliches. Das heißt, solange es auf den Toiletten friedlich zugeht, kann es ihnen herzlich egal sein, ob die Damen bei großem Andrang auf die Herrentoilette ausweichen.

Zweitens: Sein Handeln war inkonsequent. Wenn er einfach eine Art Ordnungszwang gehabt und die Damen deshalb der „falschen“ Toilette verwiesen hätte, hätte ich das ja noch nachvollziehen (wenn auch trotzdem nicht gutheißen) können. Allerdings hat er die Damen nur von der Herrentoilette vertrieben. Die, die vor der Rollstuhlfahrertoilette anstanden, hat er unbehelligt gelassen, obwohl offensichtlich keine von ihnen im Rollstuhl saß.

Drittens: Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen vorzuschreiben, welches Geschlecht er habe. Das hat der Securitymensch aber getan, indem er die Damen der Herrentoilette verwiesen hat. Zugegeben, die waren alle sehr feminin und daher war anzunehmen, dass sie sich tatsächlich selbst als weiblich sahen, aber es hätte durchaus auch ein Transmann darunter sein können.

Ganz abgesehen davon, dass es einfach lächerlich ist, jemandem zu verbieten, eine freie Toilette zu benutzen, nur weil sein Geschlecht und das Männchen auf dem Schild (vermeintlich) nicht zusammenpassen.

Leider ist mir das alles erst im Nachhinein eingefallen. Eigentlich hätte ich aus Protest die Herrentoilette benutzen müssen. Was hätte der Securitymensch schon dagegen tun wollen? Ich hätte zu gern mit ihm über sein Verhalten diskutiert.

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2 Kommentare
  1. Mark sagte:

    Das Beispiel ist andersrum glaube ich noch wesentlich häufiger zu beobachten, auch wenn das den Fakt keineswegs besser macht. Inzwischen gibt es ja aber auch teilweise Unisex-Toiletten.

  2. @Mark
    Was meinst du mit „andersherum“? Lustig, dass du Unisex-Toiletten erwähnst, ich habe nämlich gerade einen Artikel über gender-freundliche Toiletten in Arbeit.

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